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Notes on the way (2026.01)

Pluto-Jahre


Solare*, die unter dem Signum des Plutos stehen, also den Skorpion am Aszendenten haben, sind immer Jahre, in denen wir etwas aufarbeiten, Vergangenes, das unbewältigt ist, aufgreifen werden, in denen wir wesentliche Ergänzungen in unserem Leben anfügen werden, in denen wir mitunter aber auch mit all dem konfrontiert werden, was wir erfolgreich verdrängt und "unter den Teppich" gekehrt haben. Letztlich kann dies bedeuten, dass uns dies in Form von fragwürdigen oder auch klar definierten körperlichen Beschwerden aufgetischt wird, die uns bestätigen, dass wir vieles, viel zu vieles, an seelischen Belangen permanent kompensiert und damit über lange Zeit erfolgreich, d.h. nicht spüren müssend, verdrängt haben. In Pluto-Jahren kommt immer die Quittung auf die eine oder andere Weise. Wer rechtschaffend und ehrlich gearbeitet hat, erhält ein gutes Zeugnis. Wer schlampig oder auch nur pfiffig war, wer dem Vermeiden zu viel Raum gegeben hat, wer eine Lebenslüge gepflegt hat, bekommt nun die Wahrheit gespiegelt. Menschen, die einen Skorpion-Aszendenten in der Radix haben, erleben diese "Reperkussion" meist weniger erschütternd als andere. Da sie durch ihre persönliche Struktur sowieso Plutonisches vermehrt zulassen bzw. integrieren, machen sie eher weniger Schulden an ihrem eigenen Leben und sind den Tiefen des Daseins gegenüber generell offen. Deshalb lassen sie zu, was andere als erschütternd und destruktiv erleben und darum vermeiden, nämlich das Hinterfragen der eigenen Motive, der eigenen Wertigkeit und der persönlichen Aufgabe innerhalb des großen Ganzen. Sie haben die seelische Fähigkeit, sich selbst und ihre Lebensumstände gnadenlos (manchmal selbstdestruktiv und unnötigerweise) zu demontieren und sich auf den Ruinen erfolgreich neu zu errichten. Das Prinzip "Phönix aus der Asche" ist ihr Markenzeichen. Allerdings sind sie noch begabter und erfinderischer, wenn es darum geht, der eigenen Wahrheit nicht ins Auge zu blicken. Durch ihre fixen Idealvorstellungen zwingen sie bevorzugt die Realität in Formen, die nur diesen, keineswegs aber den Tatsachen oder gar realen Mach- und Erhaltbarkeiten entsprechen. Wenn also ihre Pluto-Jahre kommen, ist es gut möglich, dass alles dabei draufgehen wird: Job, Ehe, Vermögen, d.h. die komplette Identität, wenn sie diese unter Aufbietung aller inneren Zwänge dem Leben aufoktroyiert haben und alles Lebendige, Echte, dabei erfolgreich ausklammerten. Sollte der Pluto stark als Schattenkraft in der Radix wirken dürfen, dann wird das der Fall sein.

Was Saturn kann, kann Pluto noch besser: uns lehren, was wir lernen müssen, um am Ende ganzheitlich gelebt zu haben. Vor allem aber verlangt Pluto per se immer eine seelische Transformation von einem Ende der Welt zum anderen. Denn je nachdem, wo seine Kraft in der Radix angesiedelt ist, sie muss sich ins ganze Gegenteil wandeln. Aber davon ein anderes Mal mehr. Vorerst wollen wir uns um die Erläuterung der Erfahrung des Skorpion-Aszendenten im Solar bemühen, denn der hat es, wie gesagt, oftmals wirklich in sich, denn der Auftrag für das jeweilige neue Lebensjahr lautet immer: Schau dir das jetzt endlich an!

Er bringt stets eine Reise in die Vergangenheit mit sich, ob real oder psychisch, wobei real ohne Psyche nicht möglich ist, die umgekehrte Variante, schon. Das heißt, wir müssen uns wohl oder übel Vergangenem stellen, müssen freiwillig oder unfreiwillig die Reise in die Niederungen unserer Biografie antreten, müssen erkennen, was unserer Gegenwart zugrunde liegt, was vor allem dann entscheidend ist, wenn es uns unvermittelt nicht mehr gut geht, wenn es überraschende Wendungen zum Schlechten gibt, wenn sich irgendwie nicht mehr aufrechterhalten lässt, was so lange selbstverständlich gewesen ist und bisher zu mühelos vonstattenging.

Genug verdrängt, heißt es dann. Schau hin! Pluto-Jahre sind Integrationsjahre im besten wie im schlechtesten Sinne, denn wir müssen, was wir in der Regel nicht wollen. Saturn fordert das, wie gesagt, auch, aber anders – man würde meinen, angenehmer. Denn wenn Pluto den Teppich wegzieht, unter den wir jahrelang Wesentliches verschoben haben, dann heißt es: Ordnung schaffen und sich des seelischen Mülls konsequent annehmen ... sonst ...

Medikamente sind für die Betroffenen nicht der Segen, den sie sich davon erhoffen. Sie erlauben lediglich ein weiteres Aufschieben des längst Notwendigen: die Seelenschau und das Betrachten all dessen, was wir aufgeschoben haben bzw. als nicht wünschens- und nicht lebenswert meinten, auf Nimmerwiedersehen aus unserem Dasein entfernen zu können. All das kommt zurück und rennt die Türen ein, füllt das Leben und zwingt uns, seine Gegenwart anzuerkennen. Rien ne va plus.

Pluto-Jahre sind im wahrsten Sinne Lehrjahre, keine Herrenjahre. Wir müssen die Schatten sichten, ja, wir müssen die Schatten umarmen, wahre Schicksalsarbeit leisten, echte Transformationen zulassen. In diesem Sinne müssen wir durchlässig werden. Oftmals dienen Schicksalsschläge dem "Weichklopfen", damit wir Idealvorstellungen loslassen und halsstarrig feste Strukturen für immer runterbrechen, sodass wir letztlich in einem fließenden Dasein ankommen – im Fluss des Lebens, dem wir uns vertrauensvoll überlassen sollten, anstatt ihn einzudämmen, zu stauen und in Betonbetten zu kanalisieren. "Hail to the goer" heißt es im Herz-Sutra. Heil dem, der geht – ein Hoch auf den (davon und heraus) Gehenden. So sei es!

*Ein Solar ist ein Horoskop, das alljährlich auf den Zeitpunkt der gradgenauen Wiederkehr der Sonne auf ihre Position im Geburtshoroskop für das neue Lebensjahr erstellt wird, um das Kommende in Bezug auf die große Lebensaufgabe inhaltlich zu erfassen und dem "Reisenden" eine Wander- und Straßenkarte an die Hand zu geben.

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