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Love is just a four-letter word
(Notes 2012.02)

Love is just a four-letter word
Bob Dylan

Seems like only yesterday
I left my mind behind
Down in the Gypsy Cafe
With a friend of a friend of mine
She sat with a baby heavy on her knee
Yet spoke of life most free from slavery
With eyes that showed no trace of misery
A phrase in connection first with she occurred
That love is just a four-letter word
Outside a rambling store-front window
Cats meowed to the break of day
Me, I kept my mouth shut, too
To you I had no words to say
My experience was limited and underfed
You were talking while I hid
To the one who was the father of your kid
You probably didn't think I did, but I heard
You say that love is just a four-letter word

I said goodbye unnoticed
Pushed towards things in my own games
Drifting in and out of lifetimes
Unmentionable by name
Searching for my double, looking for
Complete evaporation to the core
Though I tried and failed at finding any door
I must have thought that there was nothing more
Absurd than that love is just a four-letter word

Though I never knew just what you meant
When you were speaking to your man
I can only think in terms of me
And now I understand
After waking enough times to think I see
The Holy Kiss that's supposed to last eternity
Blow up in smoke, its destiny
Falls on strangers, travels free
Yes, I know now, traps are only set by me
And I do not really need to be
Assured that love is just a four-letter word

Strange it is to be beside you
Many years and tables turned
You'd probably not believe me
If I told you all I've learned
And it is very, very weird indeed
To hear words like forever plead
Those ships run through my mind, I cannot cheat
It's like looking in the teacher's face complete
I can say nothing to you but repeat what I heard

That love is just a four-letter word


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Illustration von Govi Asano

     Von allen gesucht, von vielen besungen, von Philosophen definiert, von Heiligen gelebt, in aller Munde, aber nur in wenigen Herzen wahrhaft zu finden: die Liebe.

Die Sehnsucht der Menschen nach der großen Liebe ist groß.
Die eine wahre Liebe zu finden, zogen schon viele in die Welt und kehrten mit leeren Händen und noch leereren Herzen zurück.
Im Spiel der Kräfte zwischen Himmel und Erde ist die Liebe das größte Phänomen und noch immer das größte Geheimnis, das, wenn man es zu lüften und für sich zu entschlüsseln vermag, das größte weltliche Glück, die wunderbarste irdische Erfüllung verspricht.
Wer sich mit dem Begriff >Liebe< beschäftigt, lernt sehr bald verschiedene Arten des Liebens zu unterscheiden, denn Liebe ist nicht gleich Liebe.

Es gibt die Liebe der Mutter zum Kind, die Mutterliebe. Sie hat einen ganz besonderen Stellenwert auf der Skala der möglichen menschlichen, aber auch der tierischen, Gefühle.
Sie ist ein Geschenk der Natur an das Neugeborene, das Kind, und von ihrer Art her, wenn alles mit rechten Dingen zugeht und die Natur ihre Kraft entfalten darf, im tiefsten Innern selbst - und bedingungslos.

"Die Stellung der Mutter ist die höchste in der Welt,
denn als Mutter lernt und übt man die größte Selbstlosigkeit.
Nur die Liebe Gottes ist noch größer als die Liebe einer Mutter."

Vivekananda

     Es gibt die Liebe zwischen Geschwistern, die Liebe zwischen Freunden, die Liebe zur Natur, die Liebe zu Gott, die Liebe zum Leben, aber auch die Liebe zur Technik oder die Liebe zu vielen anderen Dingen oder Tätigkeiten. So etwa die Liebe zum Beruf, welche die tägliche Arbeit zur persönlichen Erfüllung macht.
Überhaupt bringt Liebe dies so mit sich, dass jedes Ding, jedem Tun, dem der Mensch sich mit Liebe zuwendet, ihm Erfüllung bringt. Erfüllung bedeutet Freude. Erfüllung bedeutet Eins - Sein mit dem, was man liebt. Wenn wir eine Sache lieben, liebend gerne tun oder uns liebend gerne damit umgeben, dann erfahren wir Freude - Lebensfreude - im Augenblick, im Hier und Jetzt, und genießen unser Dasein, so wie ein Kind das Spiel genießt und im Moment völlig aufgeht.

Wenn wir etwas nicht mögen, sei es ein Mensch, eine Handlung oder eine Sache, dann vergällt uns dies den Augenblick und sind wir froh, wenn wir ihn / sie wieder hinter uns lassen dürfen.
Ungeliebtes macht uns unglücklich, Geliebtes macht uns froh.
Unglück macht uns krank, Glück macht uns gesund.
So einfach ist das.

Von allen Arten der Liebe ist die Liebe zwischen Mann und Frau bzw. die Liebe, welche uns in eine Partnerschaft führt, eine Liebesbeziehung, die natürlich auch zwischen zwei Frauen oder zwei Männern gelebt werden kann, diejenige Form der Liebe, welche uns eine ganz besondere Erfüllung im Leben verspricht.
Die große Liebe oder die eine wahre Liebe in einer solchen Partnerschaft zu verwirklichen, ist der Traum der meisten Menschen, ob Mann, ob Frau. So vieles dreht sich im Leben des Menschen um diese eine Liebe, die Suche nach dem oder der Einen, mit dem / der wir verschmelzen können, um aus zwei Hälften ein Ganzes zu werden. Darum soll diese eine große Liebe möglichst auch ein Leben lang halten und uns davor bewahren, wieder nur als Teil vom Ganzen unterwegs zu sein, halb und unvollständig.
Zur Besiegelung des lebenslangen Bundes wählen wir als Symbol einen Ring, einen Kreis ohne Anfang und Ende - oft aus kostbaren und besonders haltbaren Materialien geschmiedet, die für sich genommen dieselbe Beständigkeit aufweisen wie die Liebe, deren Repräsentanten sie sind - und feiern wir das Bündnis mit aufwendigen Zeremonien, die unterstreichen sollen, was wir zutiefst fühlen: die wahre Liebe zu dem oder der Einen, die ewig halten soll.
Auch wenn diese Bilder längst als zwar romantisch und für viele auch als zugegebenermaßen wünschenswert akzeptiert sind, so hat sich dennoch nicht erst in neuer Zeit die Erkenntnis eingestellt, dass die Ewigkeit sehr temporär sein kann.
Auf ewig geschlossene Bündnisse werden mitunter kurz nach der aufwendigen Hochzeit aufgelöst. Liebesschwüre, die uns heute versichern, dass wir die Erfüllung aller Träume personifizieren, werden morgen als Irrtum zurück genommen, da eine andere, passendere Erfüllung dieser Träume aufgetaucht ist. Oder die plötzliche Erkenntnis, sich doch gar nicht binden zu wollen, weil man entdeckt, dass die Liebe zur Freiheit - und zu sich selbst - größer ist als die Liebe zum Andern.
Diese Form der Liebe hatte ich zuvor ganz vergessen zu erwähnen: die Liebe zu sich selbst.
Auch sie gehört in die Reihe der möglichen Liebes - Varianten und ist nicht unwesentlich.

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Illustration von Govi Asano

     Ganz richtig hat man mittlerweile festgestellt, dass nur der wirklich lieben kann, der sich selbst zu lieben gelernt hat. Da die meisten Menschen - zumindest der westlichen Gesellschaft - sich selbst nicht wirklich lieben (oder meinen, es nicht zu tun), fällt es ihnen auch schwer, einen anderen zu lieben.
Andererseits lieben viele sich anscheinend viel zu sehr, als dass sie dazu bereit wären, sich um des harmonischen Ganzen willen ein wenig an die andere Hälfte anzupassen. Oder, auch das lässt sich oft beobachten, sie lieben sich selbst so sehr, dass der Andere bewusst so gewählt wird, dass er von vornherein dazu missbraucht wird, die eigenen Wünsche zu erfüllen und sich selbst jede Menge Vorteile durch diese "geeignete" Partnerwahl zu verschaffen.

So mancher hat entschieden oder betrübt feststellen müssen, dass eine feste Partnerschaft für ihn nicht in Frage kommt, dass er sich selbst genügt oder genügen muss, dass es für ihn den passenden Deckel zu seinem Topf nicht gibt bzw. dass er lieber deckellos sein Leben mit einer ganzen Reihe von Deckeln und Deckelchen genießen möchte, anstatt sich festzulegen.

In Betrachtung dieser kunterbunten Handlungs - und Erlebensvarianten drängt sich zwingend die Frage auf, was Liebe denn nun eigentlich wirklich ist, sowohl die Liebe zu uns selbst, an der es uns erwiesenermaßen oftmals mangelt oder die gar im Übermaß vorhanden ist, als auch die Liebe zum Andern, den wir brauchen, um uns vollständig(er) zu fühlen und ganz zu sein oder es im Leben einfach nur schön zu haben.

"Liebe ist..."
  • ein Wort vieler Bedeutungen und doch so unbegreiflich
  • wenn ein Kuss nicht nur die Haut, sondern auch das Herz berührt
  • die beste Zutat für ein glückliches Leben

     Auf unzähligen Glückwunschkarten, auf Kissenbezügen und Streichholzschachteln, auf Pralinenpackungen und auf den Horoskopseiten mancher Frauenzeitschriften haben wir sie schon gelesen, die "Liebe ist" - Sprüche.
Die hier bereitgestellten Erklärungen beschreiben jedoch nur sehr unzureichend Ursache und Hintergrund, denen die Liebe entspringt, und das Ausmaß, das Liebe erreichen kann. Um diese zu erfassen, müssen wir uns darum den philosophischen Schriften zuwenden.

Der Philosoph und Esoteriker Karl von Eckartshausen hat sich, wie viele andere Philosophen und Denker, Schriftsteller und Sänger auch, intensiv mit dem Phänomen der Liebe und des Liebens beschäftigt und stellte fest:

"Liebe ist das Gesetz der Gottheit,
das Gebot, das die Gottheit dem Menschen ins Herz legte.
Sie ist das Band, das alle Wesen vereint.
Der Trieb zur Einswerdung entspringt aus ihr.
Ähnlichwerdung ist ihre Nahrung."

Eckartshausen

     Was bedeutet das?
Neben dem zu erklärenden Wort ‚Liebe' finden wir in dieser Feststellung nun noch einen zweiten undurchsichtigen Begriff: Gottheit. Wer oder was ist das?

Laut Wikipedia versteht man unter Gott oder der Gottheit "ein imaginäres übernatürliches Wesen oder eine höhere Macht. Götter spielen eine bedeutende Rolle in verschiedenen Mythologien, Religionen und Glaubensüberzeugungen sowie in der Metaphysik. In der Lehrmeinung vieler Religionen werden einem Gott oder mehreren Göttern besondere Eigenschaften zugeschrieben und besondere Verehrung zuteil."

Selbst wenn man davon ausgeht - was viele Materialisten tun - dass unser Kosmos und das irdische Leben nur ein "Zufallsprodukt" sind, dass wir Menschen und alles, was unsere wahrnehmbare Umwelt ausmacht, als Laune der Natur auf der Erde temporär in Erscheinung tritt, um dann "Asche zu Asche, Staub zu Staub" wieder zu vergehen, so kann man selbst für diesen "Zufall" den Begriff Gott stellvertretend verwenden. So wie eine Sekunde einen Augenblick beschreiben mag, so beschreibt das Wort ‚Gottheit' dann den Zufall des Weltengeschehens und des Daseins. Selbst wenn wir vergänglich sind und nie wieder geboren würden (wie von den Verneinern angenommen), so sind wir doch hier und aus einer Welle von Energie als Individuen hervorgegangen. Das ist Fakt!

Die Liebe als Band zwischen den Wesen dieser Existenz ist ebenfalls nicht zu leugnen, denn fast jeder fühlt sie auf die eine oder andere Art. Zugegebenermaßen gibt es auch die Gefühllosen unter uns, und diese fühlen sie dann mitunter nicht oder nur auf stark veränderte Weise. Bei genauer Betrachtung sind aber selbst diese Nichtliebenden mit dem einen oder anderen Menschen, mit der einen oder anderen Sache oder mit dem Dasein an sich letztlich in Liebe verknüpft, wenn man erkennt, dass negative Gefühle die Schattenseite der Liebe sind, Hass die andere Seite derselben Medaille, Abneigung das Dunkel der Zuneigung usw.
Liebe ist also demnach diejenige Kraft, die uns - ob wir wollen oder nicht - dem Leben und dem Dasein mit allen Konsequenzen zugeneigt macht.
Sie ist die Energiewelle, aus der wir entstanden sind, auch wenn sie sich nur als Lust verkleidete bzw. nur als Lust empfunden werden konnte, weil die Menschen, die sich zum Zwecke unserer Zeugung vereinigten, diesem großen Gefühl nur diesen beschränkten Ausdruck gestatteten und danach vielleicht auseinander gingen.

"Die sinnliche Liebe täuscht über die himmlische hinweg; allein könnte sie es nicht,
aber da sie das Element der himmlischen Liebe unbewusst in sich hat, kann sie es."

Franz Kafka

     Das Gefühl der Liebe umfasst alle erdenklichen Varianten des Geneigt - Seins, der Zuneigungen, - und als "Schattengefühl" auch der Abneigungen - und kommt in diesen immer mehr oder weniger zum Tragen.
Liebe ist das, was Kontakt sucht zum andern, so vielgestalt der, die oder das Andere auch sein mag. Nicht nur ein Mensch stellt ein Gegenüber dar, sondern auch ein Tier, ein Baum, die Musik, die Literatur, die Kunst, die Welt als Ganzes. Selbst ein Mensch, der sich ganz von der Welt zurück zieht, steht im Kontakt mit irgendetwas und irgendwem und ist diesem etwas in, vielleicht unbewusster, Liebe verbunden. Auch das Jenseitige stellt dabei mitunter einen wesentlichen Bezugspunkt dar.
Liebe, auch die verstellte, ist das Fluidum zwischen allen Bestandteilen dieses kosmischen Systems, dem diesseitigen wie jenseitigen. Um die Liebe führt kein Weg herum. Sie ist wie die Zwischenzellflüssigkeit, in der sämtliche Zellen dieses Universums schwimmen.

Die Wahrnehmung dieses tragenden Bestandteils allen Lebens variiert in sehr großem Maße. Die Existenz dieser Energie wird dadurch jedoch nicht gemindert oder annulliert. Das individuelle Empfinden bestimmt nur über die Form, durch die Liebe als der Stoff, aus dem die Träume sind, dann jeweils in Erscheinung treten kann.
Je offener das Wesen für die Weite der Erfahrung der Liebe ist, umso umfassender und unverstellter liebt der Mensch, umso reiner und lichter sind die Gefühle, die er ausschickt und der Welt mitteilt - und zurück bekommt!
Ein Mensch, der sich nur auf sich bezieht, also nicht selbstlos und bedingungslos lieben kann, was als die wahre und reine Form der Liebe angesehen wird, erfährt nur eine sehr beschränkte Ausdrucksform des Liebens. Er verbleibt in der Angst vor dem Selbst - und Sicherheitsverlust und will sich darum durch Begegnung nur bereichern, nicht aber darin verschenken. So betritt er in der Welt des Liebens höchstens den engen und dunklen Raum der Leidenschaften, nicht aber die Licht durchflutete Weite einer kosmischen Vereinigung der Wesenheiten, auch wenn er irrtümlicherweise glaubt, diese darin zu erfahren.

"Aber auch noch eure beste Liebe ist nur ein verzücktes Gleichnis und eine schmerzhafte Glut.
Eine Fackel ist sie, die euch zu höheren Wegen leuchten soll."

Friedrich Nietzsche

Dem Ängstlichen und dem Egoisten aus Angst sei jedoch versichert:

"Die wahre Liebe verausgabt sich nicht.
Je mehr du gibst, umso mehr verbleibt dir."

Antoine de Saint-Exupéry

Oder in den Worten der materiellen Welt gesprochen:

"Das unterscheidet die Liebe vom Geld:
dass sie nur Zinsen bringt, wenn man sie ausgibt."

Markus M. Ronner

     Allerdings, und das muss hier dringend angemerkt werden, verhält es sich mit der wahren Liebe ganz so wie mit der Goldmarie und der Pechmarie im Märchen von Frau Holle. Man kann sie nicht vortäuschen, um am Ende den Lohn zu bekommen. Sie muss echt sein, um sich zu mehren; man selbst also bereits ein anderer Mensch. Gespielte Selbstlosigkeit beeindruckt höchstens das Auge des kurzsichtigen Menschen durch die Form, die sie annimmt, vermag aber den Kosmos nicht zu täuschen, in dem das Gesetz des Seins über den Schein regiert und über diesen weit erhaben ist.

Der Mensch, der aufgebrochen ist, um sein Leben mit Sinn zu füllen, ist - so der Sinn nicht allein in der Anhäufung von Materie, Ruhm und Macht liegen soll - stets bemüht, auch dem, was man wahre Liebe nennt, näher zu kommen. Selbst der vom weltlichen Schein Getriebene bemerkt in seinem Innern den Wunsch nach Nähe, Zugehörigkeit und Einswerdung - und sei es nur das Einswerden mit seinen Wünschen und Zielen. Auch er liebt und will lieben und geliebt werden.

"Die Liebe beginnt da, wo das Denken aufhört."
Meister Eckhart

     Liebe beginnt da, wo das Denken aufhört und das Fühlen anfängt.

Leider denken viele Menschen ihre Gefühle nur, anstatt sie wirklich zu fühlen. So behalten sie die Kontrolle über das Geschehen und können Gefühlsausdrücke künstlich herstellen, dosieren, bemessen, und Konsequenzen, die sich aus Gefühlen zwangsläufig ergeben würden, in überschaubaren Grenzen halten. Sie leben die Idee vom Fühlen und haben ihr Herz aus ihrem Leben ausgeschlossen, das Oben und Unten fein säuberlich von einander getrennt, den Verstand von vornherein zum Meister ihres Lebens berufen.

"Liebe ist nicht möglich,
wenn das Denken vorherrscht."

Krishnamurti

     Manche Menschen fühlen übermäßig stark, was sie so sehr erschreckt, dass sie ebenfalls schnell ihren Verstand und ihre Vernunft herbei rufen, um sich vor dem Hereinbrechen des großen Wassers zu retten, damit sie die Kontrolle über sich und ihre Situation behalten und nicht in diesen Wogen der Gefühle untergehen müssen, ausgeliefert an deren Macht und die vermeintliche Macht des Anderen, der diese Gefühle in ihnen auszulösen vermochte. Denn "love hurts" - Liebe tut weh. Und Schmerz wollen die meisten, verständlicherweise, unbedingt und unter allen Umständen vermeiden.

Viele Menschen können nur dann Gefühle der Liebe und Zuneigung für einen anderen Menschen zulassen und sich in Sehnsucht nach ihm verzehren, solange dieser unerreichbar ist, vergeben oder in der Ferne weilend, um dann festzustellen, dass die Gefühle "gestorben" sind, sobald der Andere zu "haben" ist.
Auch dies ist eine Art, sich von den eigenen Gefühlen abzugrenzen und letztlich den Verstand - die Sicherung des Egos - siegen zu lassen.
Nicht umsonst besingt PINK dieses Phänomen in ihrem Lied "Leave me alone":

Go away
Give me a chance to miss you
Say goodbye
It'll make me want to kiss you
I love you so
Much more when you're not here
Watchin' all the bad shows
Drinking all of my beer

I don't believe Adam and Eve
Spent every goddamn day together
If you give me some room there will be room enough for two

Tonight
Leave me alone I'm lonely
Alone I'm lonely
I'm tired
Leave me alone I'm lonely
Alone I'm lonely tonight

I don't wanna wake up with another
But I don't wanna always wake up with you either
No you can't hop into my shower
All I ask for is one fuckin' hour
You taste so sweet
But I can't eat the same thing every day
Cuttin' off the phone
Leave me the fuck alone
Tomorrow I'll be beggin' you to come home
Tonight
Leave me alone I'm lonely
Alone I'm lonely
I'm tired
Leave me alone I'm lonely
Alone I'm lonely tonight

Go away
Come back
Go away
Come back
Why can't I just have it both ways...

     Wiederum andere sind verliebt in die Liebe und verlieben sich darum ständig neu, um stets in höchsten und intensivsten Gefühlen zu schwelgen. Sie werden von Gefühlen gelebt, anstatt Gefühle zu leben und sind auf ihre Weise ein Produkt der Abtrennung des Oben und Unten innerhalb der irdischen Kräfte. Ihnen fehlt es mitunter an der Kraft der Unterscheidung und notwendigen Auswertung, welche der Verstand als Ritter der Gefühle diesen zur Verfügung stellt. So wird das heftige Fühlen - Müssen nicht selten zur Sucht, aufgrund deren der Süchtige die Straßen und Bars durchstreift auf der Suche nach "Stoff", und ist das tiefe Gefühl letztlich nur ein triebhaftes Befolgen der Leidenschaften, der Wunsch nach Abwechslung ein anderer Ausdruck für den inneren Zwang, abgetrennt zu bleiben und abgetrennt bleiben zu wollen.
Sich nicht binden zu können ein Muss, um nur scheinbar Nähe herzustellen, echte Nähe, die einem wirklich nahe kommt, aber zu vermeiden.

"Eine der Ursachen aber für die unaufhörlichen Enttäuschungen in der Liebe liegt vielleicht in diesen ständigen Abweichungen, die bewirken, dass, während wir auf das ideale Wesen warten, das wir lieben, jede Begegnung uns eine Person aus Fleisch und Blut entgegenführt, die bereits sehr wenig von unserem Traum enthält."
Marcel Proust

Dann gibt es die Liebe, die klammert. Liebende, die aus Angst vor dem Verlassenwerden sich derart zwanghaft und kontrollierend verhalten und verhalten müssen, dass sie am Ende das erzeugen, was sie am meisten fürchten: sie verlieren ausgerechnet das, was sie unter allen Umständen keinesfalls verlieren wollten: den, die oder das Geliebte und werden verlassen.
Diese Menschen sind das Gegenstück zu denen, die permanent und leichten Herzens loslassen, und so bedingt der Eine gerne mal den Anderen.

"Am deutlichsten aber verrät sich die Liebe der Geschlechter als Drang nach Eigentum: der Liebende will den unbedingten Alleinbesitz der von ihm geliebten Person, er will eine ebenso unbedingte Macht über ihre Seele wie über ihren Leib, er will allein geliebt sein und als das Höchste und Begehrenswerteste in der anderen Seele wohnen und herrschen."
Friedrich Nietzsche

Der Wunsch, den Anderen zu besitzen, ist in vielen Menschen sehr mächtig. Wir sind nun mal eine Gesellschaft des Habens und Wollens, des Wünschens und Erreichens. Man kann aber einen anderen Menschen nicht besitzen. Aus den sich aus dieser Erkenntnis entstehenden Selbstqualen und Leidenschaften ergeben sich gerne die sogenannten Beziehungsdramen, viele Beziehungskrisen und oftmals Trennungen oder gar ein kriminelles Verhalten.

"Eifersucht setzt voraus, dass man aus der Liebe einen Besitz machen will."
Robert Musil

In allen der bisher genannten Gefühls - und Liebesvarianten regiert das Ego das Verhalten der Menschen, die sich lediglich bereichern, nicht aber geben wollen. Oder nur geben wollen und können, wenn sie einen Lohn bekommen, was genauso selbstsüchtig ist.

"Die begrenzte Liebe sucht den Besitz des anderen,
doch die grenzenlose Liebe verlangt nichts anderes als zu lieben."

Kahlil Gibran

     Auch die Fähigkeit, die angeblich so intensiven Gefühle der Liebe von einem Menschen spontan auf einen anderen übertragen zu können, wenn der zweite mehr Erfüllung verspricht - ob emotional, materiell, den Status fördernd - entspringt dem Ego und schlichtweg einem vom Ego motivierten Opportunismus und hat wenig mit wahrer Liebe zu tun. Auch hier regiert der Verstand über das Gefühl und bestimmt nach dem Abwägen der Möglichkeiten, wohin dieses gelenkt werden soll und darf, um die eigenen Ziele besser zu erreichen.

Gerne vermischen sich mehrere Gefühlsvarianten zu einem persönlichen Gefühlschaos, was den Einzelnen umso überzeugter davon sein lässt, wahrhaft zu fühlen, wahrhaft zu lieben.

"Die wirkliche Liebe beginnt,
wo keine Gegengabe mehr erwartet wird."

Antoine de Saint-Exupéry

Jeder von uns erkennt in den Beschreibungen der unterschiedlichen Arten und Weisen, Gefühle der Liebe zu verwirklichen und umzusetzen, seine eigenen Erfahrungen mit dem Phänomen des Liebens wieder. Wir alle stehen somit letztendlich vor der Herausforderung, das, was Liebe in ihrer reinen Form im Grunde ausmacht und als wahre Liebe identifiziert, zu entschlüsseln und zu leben. Auch wenn der Eine oder Andere nun sagt, dass für ihn die Form seines Liebens die ihm entsprechende ist, so befreit ihn das nicht von der kosmischen Pflicht, sich weiter zu entwickeln und andere Ausdrucksweisen für diese kreativste Kraft auf diesem Planeten zu finden.
Auch wenn wir uns mit unserer beschränkten und nur allzu menschlichen Form des Liebens längst eingerichtet haben und zufrieden geben, so bleibt es unsere karmische, individuelle wie kollektive, Aufgabe, zur wahren Form des Liebens vorzudringen, solange zu wachsen und uns zu wandeln, bis wir das Ideal manifestieren können, denn nur darum geht es bei der seelischen Evolution auf dem Planeten Erde: der wahren Liebe einen sichtbaren Ausdruck zu geben und das, was sich durch sie auf der Erde manifestiert, mit diesem Licht zu durchdringen.

"Gibt es eine Möglichkeit, ohne Grund zu leben? Denn in dem Moment, in dem Sie einen Grund haben, wird das Leben relativ. Wenn ich einen Grund habe, Sie zu lieben - weil Sie mir Trost geben, psychisch und physisch, sexuell, moralisch - dann ist es nicht Liebe."
Krishnamurti

Natürlich stellt sich dann so Manchem die vordringliche Frage, wie diese Entwicklung vom Falschen oder Verstellten und Halbherzigen, was nun mal irdisch - menschlich ist, zum Wahren, Echten und kosmisch nahezu Übermenschlichen zu bewerkstelligen wäre.

"Fragst du: >Was ist Liebe?<,
sage ich: >Den Eigenwillen aufzugeben.<"

Rumi

     Den Eigenwillen aufgeben, das Ego hinter sich lassen, bedingungslos lieben - welch große Begriffe für uns kleinlich Fühlenden und beschränkt Denkenden.
Ein wenig hilft uns die Religion auf die Sprünge, durch die wir, unter anderem, lernen, zu teilen bzw. zumindest ein wenig von der Fülle abzugeben, die wir unser Eigen nennen. Wenigstens zu Weihnachten fällt uns dies manches Mal ein, da wir als Christen bei allem Konsumrausch doch schon einmal davon gehört haben, dass es anderen schlechter geht und diese schon von einem winzigen Bruchteil dessen, was wir für unsere vermeintlich zwingenden Bedürfnisse ausgeben, ein Jahr lang leben könnten.
Meist verzichtet man jedoch selbst dann darauf zu spenden, da die Gelder in dubiosen Kanälen verschwinden, durch welche die Sammelnden sich bereichern, sodass dann die, die Hunger leiden, am Ende noch genauso arm sind wie zuvor. Mal abgesehen davon, dass es den Hunger gar nicht geben müsste, würden wir uns die Ressourcen der Welt von vornherein alle teilen, so wie es richtig wäre.

Nicht nur die christliche Religion lehrt uns, den Anderen zu lieben wie uns selbst, nicht zu begehren, was andere besitzen, sei es dessen Frau oder dessen Geld, nicht zu lügen, nicht zu stehlen, nicht zu töten und nett zueinander zu sein.
Da das alles aber so unnötig mühsam ist, gehören viele von uns keiner Religion (mehr) an bzw. halten die, welche doch noch einer Religion angehören, sich trotzdem nicht daran, verlangen aber meistens von allen Übrigen, dass sie die göttlichen Gesetze und Vorgaben beachten und einhalten sollten.
Daraus ergeben sich die bigotte westliche Gesellschaft, der wir angehören, und die so selbstverständliche Scheinheiligkeit, die unseren Alltag prägt.

     So wandert der Blick hoffnungsvoll zu den Neudenkern, den Querdenkern, denen, die das andere Leben propagieren und das Wahre, Höhere, Eigentliche zu ihrem Markenzeichen gemacht haben.
Die spirituellen Sucher, die Esoteriker und modernen Heiligen, die Erwachten und Verwirklichten, welche es Buddha und Jesus in einem Flash scheinbar gleich getan haben und über jeden Zweifel erhaben und darum mindestens erwacht, wenn nicht gar erleuchtet sind. Sie sind die Stifter und Verwirklicher der neuen Religionen, nichtsdestotrotz jedoch ebenso - wenngleich mitunter auf neuartige Weise - befangen wie diejenigen, die sich zum alten System zählen.

Statt heraus zu treten und hinter uns zu lassen, was zu eng und längst überholt an Lebens -, Gefühls, - Denk - und Verhaltenmustern in uns lebendig ist, lieben wir das Leben an sich und den Anderen im Besonderen auf ebenso limitierte und selbstsüchtige Weise wie diejenigen es tun, die keinen Anspruch auf die Wahrheit erheben, bzw. ebenso bigott wie eben diese, die sich der alten Welt zurechnen.
Ob wir nun als scheinbar brave Christen heimlich jedem Rock nachstellen, der an uns vorbei weht, während wir nach außen eine "anständige", intakte Ehe leben, oder als neuzeitlich Freidenkende ganz offen in jedem Schoß versinken, um uns in kosmischer Ekstase zu verlieren, das macht wenig Unterschied.
Die Einen wie die Anderen sind gleich weit von dem entfernt, was man >das Eigentliche< und den Sinn des Lebens nennt.
Und sind in ihren Liebes - Beziehungen gleichermaßen unbeholfen und hilflos verloren, wenn es darum geht, in einer Partnerschaft das zu leben, was sich Liebe nennt.


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Illustration von Govi Asano

"Euer körperliches Leben und eure materiellen Interessen zu vereinen, euch zu binden, um gemeinsam den Schwierigkeiten und Erfolgen, den Niederlagen und Siegen des Daseins gegenüberzutreten: Dies ist der eigentliche Grund der Heirat - aber ihr wisst ja bereits, dass dies nicht genügt.

In den Empfindungen vereint zu sein, den gleichen Geschmack und die gleichen ästhetischen Neigungen zu haben, vor den gleichen Dingen zusammen zu schwingen, einer durch den anderen und einer für den anderen: Das ist gut, das ist notwendig - aber es ist nicht genug.

In den tiefen Gefühlen eins zu sein, in der gegenseitigen zärtlichen Zuneigung trotz aller Schläge des Daseins unverändert zu bleiben und Ermüdung, Anspannung und Enttäuschung zu ertragen; immer und in jeder Lage über eure Gemeinschaft glücklich, am allerglücklichsten zu sein; einer beim anderen in allen Umständen Ruhe, Frieden und Freude zu finden: Das ist gut, das ist sehr gut, es ist unerlässlich - aber es ist nicht genug.

Eure Geistesart zu verbinden, eure Gedanken aufeinander abzustimmen, sodass sie sich ergänzen, die Beschäftigungen und Entdeckungen eures Verstandes miteinander zu teilen, kurz, die Bereiche eurer geistigen Tätigkeit zu einem einzigen zu machen durch eine Erweiterung und Bereicherung, die beide gleichzeitig erwerben: Das ist gut, das ist ganz und gar notwendig - aber es ist nicht genug.

Jenseits von alledem, auf dem Grund, im Mittelpunkt, auf dem Gipfel unseres Seins ist eine höchste Wahrheit des Wesens, ein ewiges Licht, unabhängig von den Umständen der Geburt, des Landes, der Umwelt und der Erziehung.
Es ist Ursprung, Ursache und Meister unserer spirituellen Entwicklung, gibt unserem Dasein die endgültige Richtung und entscheidet über unsere Bestimmung; im Bewusstsein dessen muss man sich vereinen; im Aufstreben und im Anstieg eins zu sein, im gleichen Schritt auf dem gleichen spirituellen Pfad vorwärtszugehen - dies ist das Geheimnis dauerhafter Vereinigung."

Mutter


     Um dieses ideale Maß an Nähe, Zusammengehörigkeit, Treue und persönlicher wie gemeinsamer Entwicklung in einer Beziehung zu ermöglichen, muss jedoch der Einzelne als Individuum einige wesentliche Entwicklungsschritte vollziehen.
Die unabdingbare Voraussetzung dafür, sich mit einem anderen Menschen, wie mit jedem anderen Wesen auch, im tiefsten Innern überhaupt verbinden zu können, ist die Verbindung zu uns selbst. Das Selbst, von dem hier die Rede ist, ist jedoch nicht als der Anteil in uns zu verstehen, den man das Ego nennt, also unser Wollen, Streben, Wünschen, unsere Begierde, sondern als das, was unseren Kern ausmacht.
Das Selbst ist das, was man im Yoga den ‚göttlichen Funken' nennt.
Das, was ein Teil des großen Ganzen ist, das sich auf alle Wesen und Wesenheiten auf diesem Planeten und in diesem Kosmos aufgeteilt hat. Der reine Kern, um den herum wir uns aus vielen Energieteilchen als Individuum angeordnet haben, um letztlich alle unsere Teile mit diesem Selbst zu erfüllen.
Dieser leuchtende, unveränderliche Kern wird schließlich alles durchdringen, was nicht ebenso hell, ebenso klar und ebenso offen und rein ist. Alles, was unbewusst und dunkel ist, wird hinweg schmelzen wie das Eis in der Sonne und sich zu Wasser auflösen und somit das reine Fühlen werden, das sich im Element Wasser verbirgt und im Eis erstarrt ist.

Wie ich schon in meinem Artikel über das Wasser erläuterte, symbolisiert die chemische Zusammensetzung des Wassers auf wunderbar allegorische Weise das, was unseren Lebens - und Entwicklungsweg prägt: die Verschmelzung himmlischer und irdischer Kräfte, die sich in uns Bahn brechen und nicht nur den Blauen Planeten lebendig machen, sondern auch uns in unserer Körperlichkeit und materiellen Existenz manifestieren, ohne die wir und die Erde gar nicht wären.
Die Liebe ist das Wasser, das als Ozean in niemals endenden Rhythmen und Wellen an Land geht, das als Fluss Grenzen überwindet, das als Bach Felder und Wiesen durchschlängelt und als Quelle vom Herzen der Erde durch Fels und Stein nach außen bricht, sich sammelt und mehrt, wächst und fließt, zum Bach, zum Fluss und schließlich zum Meer wird.
Wasser durchfließt uns wie die Liebe uns durchfließt. Wasser prägt uns wie das Fühlen uns prägt.
Nicht zu fühlen heißt erstarren und erkalten, nicht Teil des Ganzen zu sein, sich zu verhalten und zu begrenzen, dem Leben Einhalt gebieten.

     Die Liebe ist der Ozean des Lebens. Aber wie verschmutzt sind die Meere dieser Welt?! Wie bedauernswert das Leben im Wasser, weil der Mensch mit erstarrtem Herzen den Planeten regiert, den er sich untertan gemacht hat, und seine Gier das Zepter trägt, sein Wunsch nach Macht die Krone!
Darum fühlen wir nicht mit den anderen, nicht mit Menschen, nicht mit Tieren, nicht mit der Natur. Darum sind Bäume nur Holz, Pflanzen Unkraut, Tiere Dinge, und Dinge sind wertlos.
Die Welt ist ein Konsum - und Wegwerfartikel, die Natur zum Teil unnötiger Schmutz, den es zu vermeiden oder zu beseitigen gilt, oder ein Teil der Freizeitgestaltung und Unterhaltungsindustrie.
Nichts ist dem gewöhnlichen Menschen heilig, außer vielleicht sein Geld, mit dem er sich alles kaufen kann, was er sich erträumt. Außer …. der wahren Liebe! Echte Nähe ist nicht käuflich. Körperliche Nähe schon, Liebe nicht, auch wenn man die käufliche Liebe als solche benennt.

Solange der Einzelne sich nicht als Teil des großen kosmischen Ganzen begreift, solange sein Herz nicht offen ist für das Leben um ihn herum und nur für ihn selbst schlägt, nicht aber für die Welt, die Natur und jede Kreatur, solange bleibt ihm versagt, was Liebe ausmacht.


Vom Ankommen in der Unendlichkeit

"Bhakti ist das einzig Wichtige.
Wer kann jemals Gott durch Nachdenken erkennen?"

Ramakrishna

     Der Begriff >Bhakti< bezeichnet im Hinduismus die Liebe, die emotionale Hinwendung zu Gott. Bhakti ist ein Weg des Yoga, auf dem der Mensch sich dem Göttlichen überantwortet und der intensivste Wunsch seines Herzens der ist, sich mit diesem ganz und gar zu verbinden.
Selbstverständlich finden sich auch unter den Anhängern des Bhakti - Yoga viele, die sich dann einem personalen Gott zuwenden, dem sie ihre Hingabe widmen, und dabei ganz übersehen, dass Gott ja in allem, in der Natur, im Menschen, im Tier, in der gesamten Schöpfung und darum in gewisser Weise auch in allen Dingen lebendig ist.
Nichtsdestotrotz beschreibt Bhakti das, was wir entwickeln müssen, um unserem innersten Kern und damit uns selbst nah zu sein und so letztlich dem Anderen - wer oder was der, die oder das Andere auch sein mag -, da Gott in allem lebt.
Versäumen wir aber den Zugang zu unserem >heiligen< Kern, dann bleibt uns dieser auch im Anderen verborgen.
Wenn wir aber den Schlüssel zu unserem innersten Raum finden, dann erschließt uns dieser auch jederzeit die Nähe zum Anderen.

Man muss kein Hinduist sein (was man ja auch bekanntlich nicht werden kann, sondern von Geburt an ist), kein Buddhist, Moslem oder Christ, um diesen inneren Raum zu betreten. Jedes Tier kennt ihn, jeder Baum, Strauch und jede Blume, selbst jeder Stein. Nur wir Menschen haben die Tür zufallen lassen, als wir uns der Welt des Scheins zuwandten. Und über all unserem Denken, das Tag und Nacht aktiv ist und uns mit seinem Lärmen bis ins Mark beschäftigt, entgeht uns das Allgegenwärtige der Zeitlosigkeit, das Ewige, Immer - da - Gewesene und Auf - immer - Seiende, das den Kern in allem ausmacht und so auch uns.

Das Im - Augenblick - Sein, das man landläufig so schön als das Leben im Hier und Jetzt bezeichnet, ist die Grundvoraussetzung für unsere Begegnungsfähigkeit mit der Welt.
Die Rückkehr zum Tempel der Stille und damit im steten Kontakt zu bleiben eine Notwendigkeit, um im aktiven Leben das Richtige zu tun, das Wahre zu finden und das Wahre zu pflegen, und so auch die wahre Liebe zu leben. Hier lebt das Selbst. Sich selbst zu lieben bedeutet also nicht, das Ego zu pflegen, sondern mit diesem Anteil in uns eine tiefe Verbindung einzugehen und dauerhaft zu halten.

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Illustration von Govi Asano

     Sucht man diesen inneren Raum, weil man damit anderes bezweckt und zu erreichen sucht, als nur das Darin - Sein, dann wird man ihn verfehlen und sich in anderen Räumen verirren, die ebenfalls Teil unseres großen, persönlichen Hauses sind. Wer z.B. regelmäßig meditiert, um dadurch im Geschäftsleben erfolgreicher zu sein, glaubwürdiger, ruhiger, kraftvoller oder um sich (noch schlimmer) als Guru einen Namen zu machen, der hält sich mit Gewissheit nicht im Tempel der Ewigkeit auf, wenn er meint, hier in der Stille aufzutanken.
Wie schon erwähnt, kann die Pechmarie, da sie in selbstsüchtiger Absicht handelt, am Ende nicht das Gold als Lohn erwarten, sondern nur dasjenige Menschenkind, das an diese Bezahlung nicht einmal gedacht hat und sie schon gar nicht erstrebte, wird diese erhalten.
Insofern kann die allgemein praktizierte Esoterik, mag sie auch noch so boomen - und gerade deshalb! - kein Schlüssel zum Tempel sein, sondern verlockt viele, die sich zunächst noch als ehrliche Sucher auf den Weg machten, dazu, den Irrlichtern ins Moor zu folgen. Mit der Esoterik haben dich die Pharisäer in die Tempel der Seele geschlichen, um diejenigen zu betören, die ehrlich suchten - im Gegensatz zu manch Anderen, die von vornherein im geistigen Leben nur ein weiteres Geschäft wittern -, von ihrem Streben abzulenken, indem sie ihnen schillernde Ergebnisse in die Hand legen, für die sie nichts anderes tun müssen, als die Finger darum zu schließen.

Wenn wir also gewöhnliche Liebe, gewöhnliche Beziehungen, herkömmliche Beziehungs- und Umgangsformen, einseitige Anziehungen oder auch gegenseitige Anziehung, bei denen man einander jedoch in der eigenen Krankheit bestätigt, nicht aber heilt, hinter uns lassen möchten, und wenn wir von der tatsächlichen Bindungsunfähigkeit des modernen Menschen, der scheinbar Nähe sucht und dabei Distanz erzeugt, in die Erfüllung menschlicher Liebe finden wollen, dann müssen wir zunächst die All - Liebe in uns öffnen, den Tempel des Ewigen in uns zu unserem wahren Zufluchtsort, zu unserem erklärten Ziel, machen.
Um des Ankommens willen, um des Dort - Seins, des Daseins willen.

     Die eigene Vervollständigung beginnt im Alltäglichen bereits damit, dass jeder von uns bemüht sein sollte, seine Beziehung (en) daraufhin zu untersuchen, ob und wie man andere als Prothesen für das eigene Unvermögen gebraucht. Die zweite Hälfte definiert sich nur allzu häufig darin, dass der Andere uns das liefert, was wir selbst nicht vermögen oder nicht schaffen wollen.
So sind Frauen auf der Suche nach der starken Schulter zum Anlehnen und oftmals getrieben von dem Wunsch nach Versorgung und materieller Sorgenfreiheit. Ihre Liebe fällt also noch immer - und so sieht es die Natur im Prinzip ja auch vor - auf denjenigen, der diese Voraussetzungen erfüllt, und wird darum von Äußerlichkeiten bestimmt bzw. in Äußerlichkeiten gebunden.
Männer suchen in ihren Partnerinnen ebenfalls ein versorgendes Prinzip, nämlich das der Mütterlichkeit. Oder sie suchen in ihrer Frau die immerwährende Gespielin, die Geliebte und Anima, und nehmen somit eine grundsätzliche Haltung ein, die häufig die Mutter in der Frau ablehnt.
Nur allzu oft findet man(n) aber die Mutter, die mütterliche Frau, im Haus, die Gespielin hingegen außerhalb. Jeder zweite Mann geht fremd, was ebenfalls der Natur im Mann entspricht, der ja dazu bestimmt ist, sich fortzupflanzen.

Viele Partnerschaften werden nicht in der Vereinigung der Kräfte geschlossen, sondern beinhalten den Ausschluss ganzer Persönlichkeitsanteile und sollen eigene Entwicklungsschritte und - wege ersetzen.
Frauen, die nicht die männlichen Anteile in sich verwirklicht haben, sich also vielen Herausforderungen des Lebens nicht als eigenständiger und vollständiger Mensch stellen können und wollen und einen Vater im Mann suchen, Männer, welche die weiblichen Anteile in sich nicht entwickelt haben und tiefere Gefühle und das liebevolle Umsorgen der Familie bei den Frauen belassen und sich selbst auf diese "weichen" Lebensbereiche nicht einlassen, ihre eigene Sanftheit nicht leben, sind unvollständig und benutzen einander als Prothese und an Stelle ihrer eigenen, noch notwendigen, noch nicht akzeptierten bzw. unabgeschlossenen Entwicklung. Darum leben Paare sich so oft auseinander, weil einer der Beiden oder auch beide in ihrer Entwicklung so fortschreiten, dass sie nicht mehr zueinander passen.
Die Beziehung mit der "zweiten (oder auch "besseren") Hälfte" ist nicht als Ersatz für die eigene Vervollständigung gedacht. Sie sollte nicht auf der Basis von Lebens - oder Existenzsangst und der Vermeidung von Entwicklungsschritten entstehen. Wird Beziehung dafür benutzt, dann kommt es zu emotionalen und materiellen Abhängigkeiten und zu ungesunden Symbiosen, die sich auflösen müssen, wenn der Mensch zu wachsen beginnt.
Das Ankommen bei sich selbst beginnt also mit der Frage: "Was suche ich im Anderen?" und "Warum suche ich es?". Dies führt uns häufig zu den aus unserer Kindheit übrig gebliebenen emotionalen Bedürfnissen, zu erlernten Mustern, zu Schmerz oder Konditionierungen, die erkannt und entsprechend verarbeitet werden müssen, um jene Eigenständigkeit aufzubauen, die es möglich macht, dem Partner auf Augenhöhe und in wirklicher innerer Verbundenheit zu begegnen, anstatt in einer seelischen Ersatzfunktion, die nur eine - mitunter äußerst armselige - Substitution für Nähe darstellen kann.


Soulmates: die verschiedenen Deckel für den Topf

     Wunderbarerweise beobachtet man in jüngster Zeit das Auftauchen der Seelengeschwister, der Zwillingsseelen, der weitläufigen oder nahen Seelenverwandten und das noch wunderbarere Phänomen der Dualseelen.
In der Fortsetzung des Liebesglücks der Hippies, die schon wussten, dass alle Menschen Brüder sind, und bestrebt waren, Liebe statt Krieg zu machen, kommen die sogenannten "Soulmates" uns nun zupass, um unserem vitalen Wunsch nach Variation zu entsprechen. Wie auch beim Essen, wo wir selten zwei Mal dasselbe genießen möchten, so auch in der Begegnung und in der Liebe. Der glückliche Umstand, einen Soulmate zu treffen, übersetzt sich gerne umgehend als Chance zu einer neuen ekstatischen, meist sexuellen Erfahrung, bevor sich jeder wieder seinem Alltag zuwendet.
Im Grunde jedoch verbirgt sich hinter der Tatsache des Gleichklangs mit einem Anderen die Chance zum eigenen Wachstum und zum Ankommen im großen Einen, wenn wir diesen Gleichklang, anstatt ihn mit einem Hormonschub zu beantworten, im ewigen Raum sein Echo haben ließen.

Tatsächlich sind Begegnungen mit Seelengeschwistern eine Möglichkeit, eine Form von Liebe zu spüren, die sich vom herkömmlichen Gefühlseinerlei bedeutsam abhebt. Aber genau darum, weil sie das tut, wird sie leider nur auf sehr herkömmliche und gewöhnliche Weise beantwortet, womit sich das sich öffnende Tor im Bewusstsein meist auch umgehend wieder schließt.

Intensität in den Gefühlen übersetzt sich zwangsläufig in das Körperliche hinein und erregt hier, als Symbol des inneren Sehnens, den Wunsch nach Vereinigung. Das Gefühl und Bewusstsein von außerordentlicher Nähe zu einem anderen Menschen lässt in uns sofort den Wunsch entstehen, ihm ganz und gar - und das bedeutet darum auch körperlich - nah zu sein.
In Menschen mit einem starken, vitalen Emotionalwesen resultiert dies dann - wie bei einem wenig spirituellen Menschen ebenso - in der Gier nach Mehr, der Gier nach Leben, der Gier nach Genuss. Und so verliert sich der den Gefühlen des Einsseins innewohnende Funke des göttlichen Bewusstseins in einem Kamasutra der Vielen, das sich in wenig bis nichts von den Orgien des alten Roms unterscheidet, wie man leider feststellen muss.

Nichtsdestotrotz ist dieser Funke zwischen Seelengefährten spürbar vorhanden, so wie er im Grunde zwischen allen Menschen und allem, was ist, eine Realität ist. Und sucht sich diese (ent-)flammende Tatsache einen Ausdruck im irdischen Dasein, um es leuchten zu lassen und um uns aus unserem selbstverschuldeten Dämmerzustand in lichtere Höhen zu erheben. Wir müssten es nur schaffen, diese gewaltige Energie weniger vital-sexuell als vielmehr und primär geistig-spirituell umzusetzen. Das bedeutet, dass wir die Weitung, die diese bahnbrechenden Gefühle von uns verlangen, im Innern vollziehen müssten, anstatt sie in der körperlichen Vereinigung ein Ventil finden zu lassen, um die Energie darüber wieder ins Unbenannte und Ungreifbare zu entlassen.

     Die Tantriker des Kundalini - Yoga haben in alter Zeit schon erkannt, das die aus dem Sexualzentrum aufsteigende Energie (Kundalini) letztlich die höheren Chakras erwecken soll, um so die Wiedervereinigung mit Atman, dem kosmischen Seinszustand, und von Shiva und Shakti = Mann und Frau, der Gegensätze in uns, einzuleiten, die man auch als Yin und Yang bezeichnen kann. Darum, so die Schule des Tantra, sollte diese Energie nicht entladen werden, sondern dem Eröffnen der höheren Instanzen im Menschen zur Verfügung stehen.
Die moderne Esoterik nutzt jedoch die Techniken der Tantrik für eine Erweiterung der sinnlichen Freuden, die aber - so das Alibi - angeblich der persönlichen spirituellen Weiterentwicklung dienen sollen, was an sich schon absurd ist.

Nun kann es nicht angehen, dass wir grundsätzlich sexuelle Wünsche und Bedürfnisse, so sie vorhanden sind, unterdrücken. Vorhanden sind sie und sollen sie sein, da sie zum Leben gehören wie das Atmen.
Derart gebundene, weil "verbotene", Energien bleiben gebunden, stehen uns für unser Leben nicht zur Verfügung und machen uns, weil der Lebensfluss dadurch mitunter empfindlich gestört wird, sogar krank. Man kann uns auch nicht das Atmen als etwas "Schlechtes" verbieten. Es gehört zur Natur des Menschseins als Lebensnotwendigkeit dazu. Wir können jedoch lernen, bewusst zu atmen, um das, was natürlich und instinktiv in uns angelegt ist, zu nutzen, um bei uns selbst anzukommen und - wir erinnern uns - den Raum der Stille in uns zu öffnen.

Wie wir bei unserer Nahrung darauf achten, was uns gut tut, wirklich bekömmlich ist, was uns gesund erhält oder gesund macht, und nur dieses zu uns nehmen und außerdem in einem Maß, das uns gut tut, so verhält es sich mit den Energien des sexuellen Austauschs ebenso.
Häufige Partnerwechsel, egal von welchen Gefühlsintensitäten begleitet, führen zu einem inneren Chaos, einem wilden Konglomerat an Energien, ähnlich einem Potpourri von vielerlei und reichlich genossener Nahrung, die sich, sobald sie über das Genussorgan Zunge hinaus gelangt und im Magen und Verdauungstrakt angekommen ist, in der Konsequenz als absolut unverdaulich herausstellt, auch wenn die Einzelbestandteile, jedes für sich genommen, im Grunde bekömmlich und wunderbar nahrhaft gewesen wären.
Manche Menschen spüren schon im Herzen wie auf der Zunge den feinen Geschmacksunterschied und brauchen nicht lange zu überlegen, was sie zu sich nehmen und was nicht. Menschen, die jedoch in der Unterscheidung nicht geübt sind oder deren seelische Geschmacksknospen entweder unterentwickelt sind oder mit der Zeit unempfindlich und betäubt worden sind, spüren die Auswirkungen der übermäßig genossenen Gefühlsnahrung höchstens an der darauf folgenden Übelkeit, dem Verlust der Mitte und des Wohlbefindens. Und dies leider so manches Mal auch nicht.
Sie seien entschuldigt, denn schließlich lehren wir heute schon die Kleinen, dass Cola ein Getränk ist und ein Hamburger Nahrung, sodass auch sie den höchst zweifelhaften Genuss nicht mehr vom Eigentlichen unterscheiden können, das noch das Lebendige in sich trägt und eine Notwendigkeit in unserem Dasein darstellt. So lehnen sie das reine Wasser und natürliche Nahrung wie Obst und Gemüse schon in frühen Jahren als "ungenießbar" ab.


Dualseelen

     Nicht dass es sie in früherer Zeit nicht ebenso gegeben hätte, aber es ist bereits als Zeichen unserer gewachsenen Bewusstheit zu werten, dass wir sie heute erkennen können und die meisten Menschen früher mit dem Begriff nichts anfangen konnten: die Dualseele.
Auch heute ist das Phänomen der Dualseele nur wenigen Menschen ein echter Begriff. Viele der Esoterikszene kennen wohl diese Bezeichnung für die zweite Hälfte des einen persönlichen Ganzen und vermuten diese in der Person, der ihre momentan stärkste Zuneigung gilt, jedoch überschreibt man damit allzu oft Vitalneigungen mit einem Titel, der diese letztlich nur verherrlichen soll.

In der indianischen Mythologie wird überliefert - was generell für unsere Welt der Dualität folgerichtig erscheint -, dass Manitu jede Seele nach ihrer Erschaffung in der Mitte teilt, also zwei daraus macht, um diese beiden Teile dann getrennt voneinander (manchmal weiter, manchmal näher voneinander entfernt) ihre Erfahrungen machen zu lassen, die auf ihre Weise dann zum Wachstum der Seele und deren Selbsterkenntnis beitragen, auf dass sie vollständiger und schließlich ganz ihrer selbst bewusst werde. Am Ende des physischen Lebens verbinden sich die beiden Anteile wieder und wartet einer auf den anderen, um schließlich gemeinsam als eine Seele wieder in das große eine Bewusstsein einzugehen.

Seth, ein großer spiritueller Lehrer unserer Zeit, der - selbst nicht verkörpert - durch Jane Roberts Bücher schrieb und seine Philosophie lehrte, erklärt das Phänomen der Dual - bzw. Mehrseele mit dem Begriff der Überseele. Demgemäß gehört jeder von uns als verkörperte Seele einer Überseele an, die sich in mehrere Seelen in Parallelexistenzen aufteilt. Da Zeit nicht linear ist, sondern allgegenwärtig, existieren die unterschiedlichen Inkarnationen, durch welche die Überseele physische Form annimmt, parallel zueinander, d.h. zeitgleich, auch wenn, nach unserem Zeitverständnis, eine der Inkarnationen im Mittelalter, eine andere in der Steinzeit, wieder eine andere in der Moderne stattfindet. Aus dieser Tatsache ergibt es sich, dass jede Erfahrung einer Seele sich auf die Erfahrung der anderen Seelenteile auswirkt und diese einander unablässig verändern und idealerweise gegenseitig verbessern. Der Kontakt zur Überseele ist vergleichbar mit dem, was man als den Kontakt mit dem eigenen höheren Selbst bezeichnet, jener Instanz, welche der absoluten Wahrheit wesentlich näher ist als man selbst, als ein in die Realität und die Kleinlichkeit des menschlichen Denkens und Fühlens verstricktes Wesen.

     Mit Glück treffen wir im irdischen Leben und zu unserer Zeit irgendwann auf eines unserer Gegenstücke und somit auf eine oder die Dualseele, oftmals aber auch nicht. Dualseelen leben, wenn überhaupt zur selben Zeit, oftmals weit voneinander entfernt, in verschiedenen Kulturen, auf verschiedenen Kontinenten, in unterschiedlichen Lebenszeiten. So ist unser Zwilling nicht automatisch ein Abbild von uns, hat dasselbe Alter wie wir, denkt und fühlt dasselbe und sieht sich mit denselben Herausforderungen im Leben konfrontiert wie wir. Oftmals befindet er sich in einer ganz und gar gegenteiligen Situation, weil dies ja die größte Bandbreite an Erfahrung möglich macht.
Die moderne Sicht der Dinge beschreibt uns die Dualseele aber gerne als den idealen Partner. Sprich: er / sie lebt in unserer Zeit, unserer Kultur, möglichst in demselben Land, wenn nicht gar in unserer Stadt, hat annähernd unser Alter und ist wie wir auf der Suche nach dem Traumpartner, den er / sie dann in uns finden wird, so wie wir in ihm oder ihr unser Ideal erfüllt sehen werden.
Der Suche nach diesem fehlenden Stück des Selbst und dessen trickreichem Auffinden werden ganze Webseiten, Workshops und Kurse gewidmet, da viele Menschen nun meinen, sich auf diese Weise erfolgreich vervollständigen und wahrhaft verlieben zu können. So entwickelte sich eine Art von spiritueller Partnerbörse.
Letztlich verhält es sich mit der Dualseele aber ganz ähnlich wie mit dem Lohn der Goldmarie. Sie zeigt sich uns, weil wir soweit sind, sie zu erkennen - und dies geschieht als Konsequenz der Absichtslosigkeit und ergibt sich ungefragt und völlig überraschend als Erfahrung auf unserem Weg, wenn wir diesen aufrichtig gehen.
Dabei kann es sein, dass eine solche Begegnung recht unspektakulär die Begegnung mit einem anderen Menschen ist, der keineswegs unser Alter hat, der aber ebenfalls, wie wir, weiblich bzw. männlich ist, viel älter oder auch viel jünger, in einer ganz anderen Kultur lebt und einen völlig anderen Lebensweg zu gehen hat als wir.

Selten, aber auch das kommt vor, ergeben sich nahezu Hollywood reife Romanzen à la "E - Mail für Dich", bei denen wir durch die Begegnung mit dem Anderen bei uns selbst ankommen, den einen absolut perfekt passenden Deckel für unseren persönlichen Topf finden, wie es keinen zweiten auf der ganzen Welt mehr geben kann.
Und ja, die Zeit hat es in sich, dass dies häufiger geschieht, als dies je zuvor möglich gewesen ist, was daran liegt, dass wir als Kollektiv in unseren spirituellen Evolution nun eine bestimmte Bewusstseinsstufe nahezu vollendet haben und wesentliche seelische Lernlektionen tatsächlich erfolgreich abgeschlossen haben.
In diesem Zusammenhang ist das Zusammentreffen zweier Dualseelen jedoch nicht unbedingt als die Krönung des Lebens, als das Sahnehäubchen des irdischen Daseins zu verstehen, sondern als eine besonders anspruchsvolle Lernlektion, neben der sich alle bisherigen Aufgaben wie eine Grundschulübung ausnehmen.

     Die Begegnung zweier Dualseelen ist unverkennbar von anderer Natur als Begegnungen zwischen Wesen, die nicht demselben Persönlichkeitskern entstammen.
Auch wenn das Zusammenkommen von diesen außergewöhnlich intensiv sein kann, so übertrifft das Aufeinandertreffen zweier Hälften bei weitem jede "normale Verbindung", sei sie auch noch so herausragend.
Man kann in diesem Fall definitiv von einer perfekten Passform und einer ungewöhnlichen Chemie zwischen den Beteiligten sprechen, so als würde man tatsächlich zwei Einzelstücke zu einem harmonischen Ganzen zusammen fügen. Diese beiden Teile sind unzweifelhaft wie füreinander gemacht - und dennoch, oder gerade darum, werden sie gemeinsam vor Lebensaufgaben und Herausforderungen gestellt, die ein normales Paar herkömmlicher Passform selten freiwillig bewältigen würde und die auch ein Dualseelen - Paar selten meistert.

Das, was Dualseelen den Himmel auf Erden fühlen lässt, wenn sie das Glück haben als Paar zusammen zu finden, d.h. als Mann und Frau einer Kultur in einem akzeptablen Altersrahmen, ist eine Art von Anziehung, die man, in Ermangelung eines wirklich geeigneten Wortes, am ehesten als >ätherisch< bezeichnen könnte, als - so der Duden - engelhaft zart und himmlisch.
Wenn wir die Seele an sich als dünnen Schleier beschreiben, dann ist das Zusammentreffen der Dualseelen mit einem sanften Ineinanderwehen und Ineinanderweben dieser feinen Schleier zu vergleichen, so zart ist es. Wenngleich im ganzen Menschen so lebendig, die Liebe so übermächtig, dass alles andere dahinter zurück treten muss, auf dass diese Verbindung Wirklichkeit werden kann. Ihre Kraft ist außerordentlich groß, umfassend, machtvoll und zwingend, sodass den Betroffenen keine Wahl mehr bleibt und sie mitschwingen müssen, egal wie kompliziert die Grundvoraussetzungen für eine reale Beziehung sein mögen. Kompliziert sind sie in der Regel, denn bereits hier beginnen die vielschichtigen Lektionen, welche die Seele zu ihrer "höheren Bildung" bereits vorgeburtlich akzeptiert hat und nun meistern muss.
Verbindungen dieser Natur zeigen sich in den Lenormandkarten denn auch in der Regel als Herz mit Kreuz, was so viel heißt wie eine tiefe Herzensbindung, die viel Leid mit sich bringt.

     Letztlich ist jede Begegnung zwischen zwei Lebewesen eine Begegnung mit einer Seele, die wie wir ein Ausdruck des Absoluten im Relativen ist. Jede Begegnung ist in ihrer tiefsten Essenz stets ein Aufeinandertreffen von Seelengefährten, von zwei oder mehreren Teilen des einen Ganzen. Trotzdem gibt es in all diesen Spielarten menschlicher Beziehungsformen immer wieder diejenigen Begegnungen, die sich abheben und auszeichnen als bemerkenswert, sei es im harmonischen oder auch im disharmonischen Sinne, ob in der Resonanz im Sinne der Konsonanz oder der Dissonanz. Sie beschreiben Licht - und Schattenseite des einen Gefühls, der einen Verbindung.
Wahre Liebe beginnt da, wo wir fähig werden, im Anderen, wer immer er / sie / es sein mag, das Göttliche zu erkennen und anzuerkennen. Und ja, ich gebe es zu, wenn bzw. da dem so ist, sind wir noch weit davon entfernt zu lieben und bleibt Liebe noch lange nur ein Wort mit fünf Buchstaben.

Der Inder begrüßt sein Gegenüber mit dem Wort Namasté, was so viel heißt wie: "Ich grüße das Göttliche in dir" und begegnet damit ehrfurchtsvoll dem göttlichen Kern in jedem Menschen, auch wenn diese Begrüßungsformel größtenteils genauso zur leeren Floskel geworden ist wie unser "Grüß Gott" oder "Wie geht es dir?", worauf die Mehrzahl der Menschen unwahrheitsgemäß antwortet: "Gut".

Nichtsdestotrotz erkennen wir darin die Formel und den Schlüssel zum irdischen Glück, die es uns ermöglichen - so die richtige innere Haltung im Denken und Fühlen damit einhergeht - Gott in den Dingen, Gott in den Menschen, Gott in allem zu erkennen und - Bhakti! - auch zu lieben.
Wenn wir im Urgrund des Seins ankommen, im Raum der Stille, im Tempel des Herzens, können wir nicht anders denken, fühlen und handeln als das große Eine, das Liebe ist, es uns vorgibt.
Denn alles ist eins. Und wir sind ein Teil davon.


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Illustration von Govi Asano

Namasté
I honour the place in you
in which the entire universe dwells.
I honour the place in you
which is of love, of truth,
of light and of peace.
When you are in that place in you
and I am in that place in me
we are one.

Mahatma Gandhi



 
 
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